Ein paar Fakten vorweg: Gewitterstatistik

Weltweit wurden 10 bis 30 Millionen Blitze an einem Tag beobachtet, aber nur 10 Prozent aller Blitze schlagen auch wirklich in den Boden ein. (Quelle: Wikipedia) 

Durchschnittlich werden etwa 700 Menschen pro Jahr vom Blitz getroffen, aber durch schnelle medizinische Hilfe überleben fast alle. Trotzdem tragen ca. 75 Prozent der Blitzopfer Langzeitschäden davon. (Quelle: RP Online) 

Jährlich sterben zwischen drei bis sieben Menschen in Deutschland durch Blitzschlag.


Wie gefährlich ist ein Gewitter beim Campen?

Ein Gewitter kann dir im Freien immer gefährlich werden, egal ob du beim Wandern oder beim Campen bist. Blitze schlagen immer an besonders exponierten Stellen, also an den höchsten Punkten ein. Sicherheit vor Blitzeinschlag hast du nur in Gebäuden oder in Fahrzeugen mit Metallkonstruktion. Ein Gewitter beim Campen im Wohnwagen, Wohnmobil ohne Metallgerippe oder Zelt, ist somit eine ernstzunehmende Bedrohung.

Ganz wichtig: Ein Gewitter ist häufig auch mit Starkregen, Hagel oder starkem Wind verbunden. Du solltest auch an die damit verbundenen Gefahren denken: Wegfliegende Gegenstände, herabfallende Äste oder umstürzende Bäume.


Diese Gefahren birgt ein Blitzschlag

Direkteinschlag: In diesem Fall schlägt der Blitz direkt in die höchste Stelle auf einer Fläche ein. Beispielsweise in das Zeltgestänge oder in einen Menschen, der in seinem Zelt auf einer Wiese sitzt.

Überschlag: Bei dieser Variante kann der Blitz von einem Baum über mehrere Meter auf Menschen überspringen. In bis zu drei Metern Entfernung kann es zu so einem Überschlag kommen.

Schrittspannung: Der Strom des Blitzeinschlags breitet sich dabei über den Boden aus. Wenn du dann läufst (Beine stehen nicht zusammen), kann ein Teil dieses Stromstoßes in einem Bein hochjagen, durch deinen Körper fließen und durch das andere Bein wieder austreten.

Berührungsspannung: Wenn du ein Objekt berührst, in welches der Blitz einschlägt (z.B. Zeltgestänge, metallische Gegenstände im Wohnwagen oder Reisemobil…), kann der Blitzstrom durch dich durchfließen. Das gilt auch, wenn du im Wasser stehst.

Es ist wichtig, dass du dir diesem Risiko bewusst bist, denn nur so kannst du dich auch davor schützen!


So beugst du Gefahren bei Gewitter am Campingplatz vor

  • Campe nicht auf Anhöhen.
     
  • Übernachte nicht in der Nähe von einzelnen Bäumen.
     
  • Vermeide auch Stellplätze in der Nähe von hohen Masten.
     
  • Spanne keine metallenen Wäscheleinen zwischen Zelt und Campingmobilen.
     
  • Halte dich bei einem Gewitter am besten in einem Fahrzeug mit metallischer Außenhaut oder in einem Gebäude auf, sofern das möglich ist.
     
  • Trenne alle Stromverbindungen zu deinem Zelt, deinem Wohnwagen oder Campingbus.
     
  • Baue alle Außenantennen ab.

Fahrzeuge mit metallischer Außenhaut wirken wie ein faradayscher Käfig: Die metallische Außenhaut leitet den Blitzstrom und im inneren des „Käfigs“ ist man geschützt.


Gewitterschutz beim Zelten

Viele Zelte auf einer Zeltwiese
Viele Zelte auf einer Zeltwiese © Fritz Berger

Zelte bieten dir keinen Schutz vor Blitzeinschlag, darum ist die richtige Stellplatzwahl ein wichtiges Kriterium für deine Sicherheit. Beachte die vorherigen Punkte und schlage dein Zelt nicht in Mulden oder trockenen Flussläufen auf. Sie können bei einem Gewitter zu reißenden Strömen werden. Außerdem kann das Wasser den Blitz leiten. Bei starkem Wind solltest du dein Zelt zuvor mit Abspannseilen absichern.

Solltest du dennoch im Zelt von einem Gewitter überrascht werden, bewahre Ruhe. Setzte dich im Zelt auf eine trockene, isolierende Unterlage und halte dabei Beine und Füße geschlossen, um die Gefahr von Schrittspannung zu vermeiden. Lege dich nicht hin!

Grundsätzlich gilt: Achte darauf, dass dein Zelt nicht die höchste Stelle auf einer größeren Fläche darstellt.


Bei Gewitter im Wohnwagen

Wohnwagen
Wohnwagen © Fritz Berger

In einem Wohnwagen aus einer GFK-Außenhaut, also einem nichtmetallischen Rahmen, bist du nicht vor Blitzeinschlag geschützt. Sollte der Blitz in einen Caravan mit GFK-Aufbau einschlagen, wird er sich den kürzesten Weg bis zur Erde suchen und kann dabei auf Gas-, Elektroleitungen oder auch Menschen treffen.

Nur bei einem Wohnwagen mit metallischer Außenhülle oder einer Außenbeplankung aus mindestens 0,5 mm starkem Aluminium ist der Schutz vor Blitzeinschlag gegeben, vorausgesetzt, die Metallteile sind leitend miteinander verbunden. Bei einem metallischen Fahrzeugrahmen schlägt der Blitz ein und tritt bestenfalls über die Kurbelstützen oder die Räder wieder aus. Hier besteht keine Gefahr für die Insassen.

Achtung: Wenn dein Wohnwagen aus einer Mischung aus Aluminium-Außenwand und GFK Dach besteht, bist du in ihm nicht geschützt, weil er nicht rundum metallisch ist und somit keinen faradayschen Käfig bildet.

Wenn möglich, solltest du dich bei einem Gewitter in dein Auto zurückziehen oder besser noch, in ein Gebäude gehen.


Bei Gewitter im Wohnmobil

Wohnmobil
Wohnmobil © Fritz Berger

Wie auch beim Wohnwagen bist du im Wohnmobil nur dann geschützt, wenn das Fahrzeug einen metallischen Aufbau besitzt. Vor allem Campingbusse und Kastenwägen sind häufig nach diesem Prinzip gebaut. Der Blitzstrom fließt dann über die Außenhülle in den Boden ab.


Was tun, wenn ich bei einem Gewitter im Freien bin?

Du solltest am besten sofort ein Auto oder Gebäude aufsuchen. Ist kein Schutz möglich, suchst du auf dem freien Feld nach tiefer liegendem Gelände. Bleibe dort in hockender Position mit geschlossenen Beinen sitzen, bis das Gewitter vorüber ist. Bäume solltest du unbedingt meiden.


Allgemein wichtige Verhaltensweisen bei Gewitter in Freizeitfahrzeugen

  • Lege dich bei Gewitter nicht in Alkoven oder Hubdächer. Dort gibt es in der Regel keinen Metallrahmen, der den Blitzstrom ableitet.
     
  • Nutze weder Dusche noch Wasserhahn während des Gewitters.
     
  • Ziehe alle 230-V-Kabel ab.
     
  • Fasse keine metallischen Bauteile des Wohnmobils oder Wohnwagens an.
     
  • Strecke deinen Kopf nicht aus Dachluken oder Fenstern heraus.
     
  • Halte Fenster, Türen, Hub- und Klappdächer geschlossen.
     
  • Ziehe die Markise ein.
     
  • Fahre Antennen ein bzw. baue sie ab.
     
  • Im Campingbus und in teilintegrierten Wohnmobilen ist der sicherste Platz im Fahrerhaus. Caravaner setzen sich wenn möglich in ihr Auto.
     
  • Halte dich nicht im Vorzelt auf.

Ganz wichtig: Nach dem Gewitter unbedingt die Reifen prüfen. Durch Blitzeinschläge kann der Stahlgürtel korrodieren.


Wann ist das Gewitter vorbei?

Sobald du ein erstes Donnern hörst, solltest du beim Campen einen geschützten Bereich aufsuchen. Das Gewitter ist dann weniger als zehn Kilometer entfernt.

Zähle nach einem Blitz die Sekunden bis zum Donner. Teile die Zahl durch drei und du erhältst die ungefähre Entfernung des Gewitters in Kilometern. Der erste Blitz bedeutet Gefahr.

Erst wenn du seit mindestens 30 Minuten keinen Donner mehr hörst, ist das Gewitter vorbei.


Weitereführende Links

Mehr Informationen zum Thema Schutz bei Gewitter findest du auf den Seiten des Verbandes der Elektrotechnik: https://www.vor-blitzen-schuetzen.eu/de

Und besonderer Schutz beim Camping: https://www.vde.com/de/blitzschutz/infos/camping-zelten

Eine 12-seitige Broschüre des VDE zu Blitzschutz beim Camping gibt es hier: https://www.vde.com/resource/blob/936994/c28684be333bfc5edc6fe36a2210d5bc/merkblatt-camping-download-data.pdf


Fazit: Gewitter nicht auf die leichte Schulter nehmen

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit von einem Blitz getroffen zu werden, sehr gering ist, werden Unwetter oftmals unterschätzt und die meisten Camper sind unwissend über die Gefahren eines Blitzschlags im Freizeitfahrzeug oder Zelt. Bringe dich also rechtzeitig in Sicherheit und bewahre Ruhe. Auch ich war mir der Gefahr im Wohnwagen nicht bewusst und werde diese Hinweise in Zukunft beachten.