Haben oder nicht haben? Das ist die zentrale Frage

Der Sinn einer Satelliten-TV-Anlage wird unter Campern kontrovers diskutiert. Während manche Camper einen Fernseher im Campingurlaub für unnötig halten, bietet ein TV-Gerät für andere Urlauber abwechslungsreiche Unterhaltung.

Verschiedene Situationen rechtfertigen eine Satelliten-Anlage im Campingurlaub durchaus. Sei es, um auch bei mehrmonatigen Aufenthalten im Ausland die Tagesschau sehen zu können oder, um sich die Langeweile am dritten Regentag in Folge zu vertreiben.


So funktioniert Satelliten-Fernsehen

Bevor wir uns einzelnen Camping Satelliten-Anlagen widmen, zunächst ein paar Basics zur Sat-Technik im Allgemeinen. Viele verschiedene Satelliten kreisen in etwa 36.000 Kilometern Höhe über der Erde. Dabei bewegen sie sich parallel zum Äquator und in einem festgelegten Winkel zum Nullmeridian, auch Greenwich-Linie genannt.

Ein Satellit kann sowohl TV- als auch Radioprogramme senden. Darüber hinaus gibt es auch Satelliten für die GPS-Ortung und spezielle Militärsatelliten, auf die wir hier aber nicht näher eingehen. Fernseh- und Radiostationen senden ihre Signale von der Erde an den Satelliten und dieser strahlt die Signale großflächig wieder ab.

Deutschsprachige Sender über Astra 1

Zu den Betreibern privater TV-Satelliten zählen beispielsweise Astra, Eutelsat und Türksat. Für den Empfang deutschsprachiger TV- und Radioprogramme, solltest du die Satelliten-Antenne auf den Satelliten Astra 1 ausrichten. Oft wird dieser Satellit auch Astra 19,2 genannt, entsprechend seiner Position 19,2 Grad östlich des Nullmeridians. Das Schweizer Fernsehen (SRF) dagegen nutzt den von der Eutelsat-Gruppe betriebenen Satelliten Hotbird. Möchtest du SRF empfangen, musst du zunächst die Sat-Antenne auf die Position des Hotbird-Satelliten ausrichten.

Ausleuchtzone der Satelliten ist begrenzt

Die Ausleuchtzone beschreibt den Empfangsradius eines Satellitensignals. Der rote Bereich zeigt die Ausleuchtzone für Astra 1, gelb markiert den Empfangsradius für den Satelliten Hotbird.
Die Ausleuchtzone beschreibt den Empfangsradius eines Satellitensignals. Der rote Bereich zeigt die Ausleuchtzone für Astra 1, gelb markiert den Empfangsradius für den Satelliten Hotbird. © Fritz Berger

Wird ein TV- oder Radiosender aus dem All abgestrahlt, lassen sich die Signale deswegen aber nicht auf der ganzen Welt empfangen. Da Satelliten in festgelegten Bahnen über der Erde kreisen, ist ihr Empfangsradius begrenzt. Der Sendebereich eines Satelliten wird auch Ausleuchtzone genannt. Der Satellit Astra 1 ist so positioniert, dass er seine Signale über ganz Europa abstrahlt. Befindest du dich dagegen in Südamerika, wirst du selbst mit einer sehr großen Satelliten-Antenne kein deutsches Fernsehen über Astra 1 empfangen können.


Aufbau einer Satelliten-anlage

Es gibt verschiedene Arten von Satelliten-Antennen. Die meist verbreitete Form ist jedoch die klassische Parabolantenne, umgangssprachlich auch Satellitenschüssel genannt. Der Parabolspiegel besteht aus lackiertem Stahl oder Aluminium. Der oval geformte Spiegel reflektiert die vom Satelliten ausgesendeten Strahlen (1). Diese treffen gebündelt auf den LNB, kurz für rauscharmer Signalumsetzer; engl. Low Noise Block (2). Der LNB verstärkt die reflektierten Signale und leitet sie über ein Koaxialkabel an einen DVB-S Receiver weiter (3), dieser überträgt die fertig aufbereiteten Signale schließlich an den Fernseher (4). Bei modernen TV-Geräten ist der Receiver häufig bereits integriert.

Du kannst auch mehrere Fernseher über eine Sat-Anlage betreiben. Dafür benötigst du einen LNB mit entsprechend vielen Anschlüssen (Twin- oder Quad-LNB). Für den Einsatz beim Camping reicht in der Regel jedoch ein Single-LNB mit Anschluss für ein Koaxialkabel aus.


Wie findet die Sat-Antenne den Satelliten?

Bei der Ausrichtung einer Satellitenschüssel musst du drei Werte berücksichtigen:

  • die horizontale Ausrichtung (Azimut),
  • die vertikale Ausrichtung, auch Elevationswinkel genannt, und
  • den Skew-Winkel, der einen Winkelversatz des LNB beschreibt.

Diese drei Winkel fallen je nach deinem Standort unterschiedlich aus. Den Skew-Winkel kannst du außer Acht lassen, solange du deinen Campingurlaub in Deutschland oder anderen mitteleuropäischen Ländern verbringst. Denn in diesen Regionen beträgt der Skew 0 Grad. Relevant wird der Skew-Winkel bei Reisen in den Süden oder Norden. Dann musst du ihn durch Drehen des LNBs justieren. Dazu ist meist auf dem LNB eine Skala aufgedruckt.

Zur Anpeilung der Satellitenposition gibt es verschiedene Möglichkeiten. Bei der Ausrichtung der horizontalen und vertikalen Position hilft dir folgendes Zubehör:

Suche mit dem Sat-Kompass

Sat-Kompass
Sat-Kompass © Maxview

Ein spezieller Kompass hilft dir bei der horizontalen Ausrichtung der Sat-Antenne. Auf dem Sat-Kompass sind die Positionen der jeweiligen Satelliten (z.B. Astra 1, Astra 2 und Hotbird) farbig markiert. 

Richtest du die Satelliten-Antenne so aus, dass die Kompassnadel auf die gewünschte Markierung zeigt, ist der Azimut korrekt eingestellt.

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Anpeilen via Satfinder

digitaler Sat-Finder
digitaler Sat-Finder © Fritz Berger

Dieses etwa handtellergroße Gerät schließt du am Koaxialkabel an. Auf einem kleinen Display zeigt es die Signalstärke in Prozent an. Während du die Satellitenantenne schwenkst, verändert sich der Prozentwert in Echtzeit. 

Moderne Satfinder lassen sich mit einer Smartphone-App koppeln. Über die Ortungsdienste deines Smartphones erleichtert die App die Signalsuche.

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Ausrichtung auf Knopfdruck: automatische Satelliten-Anlagen

Wenn dir die manuelle Ausrichtung der Satelliten-Antenne zu aufwändig erscheint, kannst du dich auch für eine vollautomatische Sat-Anlage entscheiden. Diese technisch ausgefeilten Empfangsgeräte sind mit einem elektrischen Stellmotor ausgestattet. Bei der Signalsuche hilft je nach Modell ein integrierter GPS-Empfänger oder eine Schnittstelle zu den Ortungsdiensten deines Smartphones. So weiß die Antenne, wo sie sich befindet und kann nach Auswahl des gewünschten Satelliten die entsprechenden Ausrichtungswinkel selbst berechnen und einstellen.

Im Video: Ein- und Ausfahren einer Satelliten-Antenne am Beispiel der Megasat Caravanman 65 Premium

Während manuelle Sat-Antennen auf einem Parabolspiegel basieren, sind bei automatischen Satellitenanlagen unterschiedliche Bauweisen möglich.

Flachantenne

Stationäre Flachantenne Selfsat Snipe 3R
Stationäre Flachantenne Selfsat Snipe 3R © Selfsat

Die Flachantenne hat die Form einer eckigen Platte. Im Gegensatz zur Parabolantenne besitzt die Flachantenne keinen LNB-Arm. Stattdessen ist die gesamte Technik im Inneren des Gehäuses untergebracht. Dadurch ist die Flachantenne sehr kompakt. Das ist ein großer Vorteil bei der Dachmontage auf Campingbussen oder Kastenwagen. Der Empfangsradius einer Flachantenne beschränkt sich allerdings auf Mitteleuropa.

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Dom- oder Kuppelantenne

Mobile Kuppelantenne Berger Move.
Mobile Kuppelantenne Berger Move. © Fritz Berger

Die Dom- oder auch Kuppelantenne genannt, beherbergt die Empfangstechnik unter einer Haube. Dadurch ist die Elektronik vor Wettereinflüssen geschützt. Eine Domantenne lässt sich sogar während der Fahrt verwenden, da die Empfangseinheit unter der Haube beweglich ist und die Ausrichtung des Spiegels nachjustiert. 

Wegen dieser Eigenschaften kommen Domantennen auch häufig auf Schiffen zum Einsatz, wo Wellenbewegungen den Satellitenempfang erschweren. Bei Reisemobilen sieht man Domantennen aber nur selten fest auf dem Dach montiert. Denn die Eierform hat auch Nachteile: so wächst die Gesamthöhe des Fahrzeugs um bis zu 40 Zentimeter an. Aufgrund des geringen Durchmessers fällt der Empfangsradius außerdem sehr begrenzt aus.

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Parabolantenne

Stationäre Parabolantenne Fritz Berger Fixed.
Stationäre Parabolantenne Fritz Berger Fixed. © Fritz Berger

Noch ein paar ergänzende Worte zur bereits beschriebenen Parabolantenne: die „Schüssel“ ist in unterschiedlichen Größen mit Durchmessern zwischen 60 und 85 Zentimetern erhältlich. Trotz technisch ausgefeilter LNBs und Feinjustierung des Skew-Winkels ist der Empfangsradius maßgeblich von der Spiegelgröße abhängig. Auf Reisen in die Grenzregionen der Ausleuchtzone, beispielsweise nach Marokko oder Finnland, ist ein großer Spiegel mit 80 Zentimetern Durchmesser unerlässlich. Soll die Satelliten-Antenne auf dem Dach des Wohnmobils montiert werden, benötigt sie viel Platz. Schließlich muss sie sich auch neigen und drehen können, ohne dabei an aufgestellte Dachhauben oder Solarmodule zu stoßen. Außerdem sind große Sat-Antennen windanfälliger, vor allem, wenn sie senkrecht stehen.

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Sat-Anlage mit Fernsehgerät im Set

Viele Satelliten-Anlagen sind als Komplettset mit einem TV-Gerät erhältlich. Dabei stammen Sat-Antenne und Fernseher häufig vom selben Hersteller, wie beispielsweise bei den Sat-Anlagen „Premium“ von ten Haaft. In einigen Fällen kooperieren auch Antennen- und TV-Anbieter, wie beispielsweise Kathrein, die ihre Sat-Antennen zusammen mit einem Fernsehgerät der Firma Alphatronics anbieten.

Der Vorteil einer Set-Lösung besteht darin, dass Antenne und TV-Gerät aufeinander abgestimmt sind. So ist häufig keine gesonderte Steuereinheit für die Antenne nötig und die Bedienung von Fernseher und Sat-Anlage erfolgt bequem über eine Fernbedienung. Schaltest du den Fernseher ein, fährt die Antenne automatisch aus.


Satelliten-TV ohne Fernsehgerät

WLAN-Stick Kathrein UFZ132
WLAN-Stick Kathrein UFZ132 © Kathrein

Zum Fernsehen ist nicht zwingendermaßen ein TV-Gerät nötig. Vielleicht nutzt du ja auch zuhause bereits deinen Computer oder dein Tablet bzw. Smartphone als Bildschirm fürs Fernsehen. Das geht auch beim Camping. Beispielsweise mit der Satanlage Kathrein CAP750 GPS in Verbindung mit dem optionalen USB-Adapter Kathrein UFZ132

Der kleine USB-Dongle wird in das Steuergerät, den so genannten CAP-Konverter eingesteckt. Anschließend baut der USB-Adapter ein WLAN-Netzwerk auf und du kannst TV- und Radioprogramme von der Satellitenanlage auf verschiedene mobile Endgeräte streamen. 


Stationäre und mobile Satelliten-Anlagen

Satelliten-Anlagen können entweder stationär oder mobil eingesetzt werden. Stationäre Anlagen sind fest auf dem Dach des Wohnmobils oder Wohnwagens befestigt.

Die Montage auf dem Campingfahrzeug hat folgende Vor- und Nachteile:

die Sat-Anlage ist schnell einsatzbereit, da die Antenne nur ausgefahren werden muss.

für den Transport einer stationären Sat-Anlage wird kein Stauraum im Fahrzeug benötigt.

auf schattigen Standplätzen können Bäume den Satellitenempfang einschränken.

hoher Anschaffungspreis, da es sich bei stationären Sat-Anlagen in der Regel um automatische Antennen mit Stellmotor handelt. Wird die Montage von einer Werkstatt durchgeführt, fallen für den Einbau zusätzliche Kosten an.

© Fritz Berger

Bei mobilen Sat-Anlagen musst du folgende Eigenschaften berücksichtigen:

Standort der Anlage kann variieren, ohne das Fahrzeug umparken zu müssen.

günstigerer Anschaffungspreis, da kein Einbau nötig. Viele mobile Sat-Anlagen werden manuell ausgerichtet und verzichten auf teure Stellmotoren.

Aufbau und Ausrichtung sind mit mehr Zeitaufwand verbunden.

Während der Fahrt muss die mobile Sat-Anlage im Fahrzeug verstaut werden.

Teleco Activsat
Teleco Activsat © Teleco

Teleco Activsat

Die Teleco Activsat vereint die Vorzüge einer mobilen Sat-Anlage mit dem Komfort einer automatischen Satellitenanlage. Der Parabolspiegel (erhältlich mit 65 und 85 cm Durchmesser) besteht aus transparentem Acryl. Somit fügt sich die Teleco Activsat optisch angenehm in die Landschaft ein. Die automatische Ausrichtung erfolgt bequem über eine Smartphone-App.

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Schlechter Empfang? Daran kann es liegen!

Ein kieselndes oder ganz ausbleibendes Bild kann verschiedene Ursachen haben. Beim Aufstellen der Satellitenanlage solltest du darauf achten, dass sich keine Gebäude, Bäume oder andere Hindernisse zwischen der Sat-Antenne und dem Satelliten befinden. Man sagt auch: die Antenne braucht freien Blick zum Satelliten. Schon dichte Bäume können den Empfang so stark einschränken, dass kein klares Bild mehr zu sehen ist.

Mit einer mobilen Sat-Antenne bist du in diesem Fall im Vorteil. Abhängig von der Länge des Koaxialkabels, kannst du den Standort der Antenne wechseln und so das Hindernis möglicherweise umgehen. Bei einer fest auf dem Dach des Wohnmobils oder Wohnwagens befestigten Antenne, musst du umparken. Auf gut besuchten Stellplätzen oder Campingplätzen ist das aber nicht immer möglich.

Auch das Wetter kann die Stärke des Satellitensignals beeinflussen. Zeigen sich im Winter Bildstörungen, kann das an einer verschneiten Antenne liegen. Bei einer mobilen Satanlage kannst du den Spiegel vom Schnee befreien. Bei stationären Anlagen solltest du jedoch keinen Falls aufs Dach klettern. Besser du fährst du die Antenne ein und richtest sie anschließend erneut aus. Durch die dabei entstehenden Bewegungen fällt der Schnee möglicherweise von selbst vom Spiegel ab.

Auch starker Regen kann die Signalstärke beeinträchtigen. In diesem Fall hilft nur ein gutes Buch, um den Starkregen auszusitzen.


Fazit: Es muss nicht immer eine automatische Anlage sein

Bist du mit dem Wohnmobil unterwegs und wechselst häufig deinen Standort, lohnt sich der Aufpreis für eine automatische Sat-Anlage. Ob mobil oder auf dem Dach deines Campers montiert, ist deinen persönlichen Vorlieben beziehungsweise der Beschaffenheit deines Wohnmobils überlassen.

Als Camper mit Wohnwagen eignet sich eine günstige manuelle Sat-Anlage. Mit ein bisschen Übung sowie einem Satfinder oder Satkompass beherrscht du das Anpeilen des Satelliten im Handumdrehen. Hinsichtlich der Bildqualität gibt es zwischen automatischen und manuellen Sat-Anlagen keinen Unterschied.

Führen dich deine Reisepläne bis an die Grenzen Europa, oder darüber hinaus, empfehle ich dir eine Parabolantenne mit 80 Zentimetern Durchmesser. Denn sie deckt die Ausleuchtzone am breitesten ab. Bist du hauptsächlich in Mittel- und Südeuropa unterwegs, kannst du auch mit einer Domantenne oder Flachantenne ohne Einschränkungen fernsehen.