Frostschäden an Schläuchen, Armaturen und Tank vermeiden

Solange ein Campingfahrzeug im Winter bewohnt und somit auch beheizt ist, kannst du die Wasseranlage bedenkenlos benutzen. Überwintert der Camper jedoch im Freien und mit gefüllter Wasseranlage, können Schläuche und Armaturen Schaden nehmen. Schuld daran ist die Physik, denn während sich das Wasser in den Leitungen zu Eis verwandelt, dehnt es sich aus. Dabei übt es Druck auf Schläuche und Armaturen aus, die im schlimmsten Fall platzen können.

Besonders gefährdet durch Frostschäden sind die Anschlüsse an Wasserhähnen und Tank. Denn diese bestehen aus duroplastischem Kunststoff – ein Material, das sich nicht dehnt und bei zu viel Belastung bricht. Die Wasserschläuche dagegen sind aus thermoplastischem Kunststoff gefertigt. Dieser dehnt sich bis zu einem gewissen Grad aus.

Wie also die Wasseranlage vor Frost schützen? Frostschäden lässt sich auf zwei verschiedenen Arten vorbeugen. Zum einen durch Trockenlegen der gesamten Wasseranlage und zum anderen durch Befüllen der Wasseranlage mit einem geeigneten Frostschutzmittel.


Wasseranlage vor Frost schützen: vollständig entleeren

Auch der Grauwassertank muss vor dem Winter vollständig entleert werden.
Auch der Grauwassertank muss vor dem Winter vollständig entleert werden. © Fritz Berger

Solange die Wasseranlage trocken ist, können Schläuche und Armaturen durch Frost nicht beschädigt werden. Beim Trockenlegen der Wasseranlage kannst du folgendermaßen vorgehen:

  1. Stelle sicher, dass die Wasserpumpe eingeschaltet ist. Dazu muss der 12-Volt-Hauptschalter am Kontrollpanel aktiviert sein. Häufig gibt es auch einen zusätzlichen Hauptschalter, der die Wasserpumpe aktiviert.
  2. Öffne das Ablassventil am Wassertank (ältere Tanks besitzen noch einen Stöpsel am Boden). Somit läuft ein Großteil des Wassers direkt ab, ohne es vorher in den Abwassertank pumpen zu müssen.
  3. Bringe alle Wasserhähne in Mittelstellung, damit die Warm- und Kaltwasserleitungen gleichermaßen leerlaufen.
  4. Sobald kein Wasser mehr aus den Wasserhähnen fließt, schaltest du die Pumpe ab (Wichtig: die Wasserpumpe darf nicht längere Zeit trocken laufen). Die Wasserhähne lässt du während der Winterpause offenstehen, damit ein Luftaustausch stattfinden kann.
  5. Nun kannst du restliches Wasser aus den Armaturen und Schläuchen mit einem Luftballon ausblasen. Dazu bläst du einen Luftballon auf und ziehst ihn mit der Öffnung über einen Wasserhahn. Jetzt lässt du die Luft aus dem Ballon entweichen. Der Luftdruck presst das verbliebene Wasser aus Armatur und Schläuchen durch den geöffneten Wassertank hinaus.
  6. Am Brausekopf in der Dusche funktioniert das Ausblasen in der Regel nicht. Dafür lässt sich die Brause durch Drehen schnell vom Schlauch lösen und gegebenenfalls andernorts lagern.
  7. Um die Gefahr durch Schimmelbildung zu reduzieren, sollte die Revisionsöffnung (Reinigungsöffnung) am Wassertank während des Winters geöffnet bleiben. Somit findet ein ständiger Luftaustausch im Tank statt.
  8. Eine Tauchpumpe kannst du aus dem Wassertank entnehmen und sie während der Winterpause an einem warmen Ort lagern. Ist dein Campingfahrzeug dagegen mit einer Druckpumpe ausgestattet, musst du auch diese vollständig vom Wasser befreien. Anweisungen dazu findest du in der Bedienungsanleitung.

Die Vor- und Nachteile einer leeren Wasseranlage

wenig Materialaufwand nötig

unkomplizierte und schnelle Durchführung

Siphons und Schlauchwindungen lassen sich nicht immer vollständig trocknen


Wasseranlage vor Frost schützen: Frostschutz einfüllen

Statt die Wasseranlage zu leeren, kannst du sie über den Winter auch mit einem Frostschutzmittel füllen. Im Campingfachhandel gibt es speziellen Frostschutz, der für die Verwendung in Trinkwasseranlagen und Fäkalientanks geeignet ist.

Fülle niemals Scheibenfrostschutz, Spiritus oder ähnliche Flüssigkeiten in die Wasseranlage. Rückstände davon können deine Gesundheit sowie den Zustand von Schläuchen, Armaturen und weiteren Bauteilen beeinträchtigen.

Ein Frostschutzmittel ist nicht zum Trinken geeignet, auch wenn auf der Verpackung die Eigenschaften „ungiftig“ oder „geschmacksneutral“ vermerkt sind! Der Zusatz soll die Wasseranlage lediglich während der ungenutzten Zeit vor Frostschäden schützen. Daher musst du Wassertank und Schläuche zum Saisonbeginn zunächst gründlich mit frischem Wasser spülen. Ein Mehraufwand ist das nicht unbedingt, da du die Wasseranlage im Frühjahr ohnehin reinigen solltest.

Was du bei der Reinigung der Trinkwasseranlage beachten musst, erfährst du hier.


Das richtige Mischungsverhältnis für den Frostschutz ermitteln

Frostschutz ist in Gebinden mit bis zu 5 Litern erhältlich. Dabei handelt es sich immer um ein Konzentrat, das in einem bestimmten Verhältnis mit Wasser gemischt wird. Beispiel Lilie Winter Ban: 1 Liter Frostschutz auf 2 Liter Wasser schützen vor Temperaturen von bis zu -18 Grad.

Um den benötigten Anteil an Frostschutz zu ermitteln, musst du in diesem Fall das Tankvolumen dritteln:

Tankvolumen/3 = benötigte Menge Frostschutz in Litern

Für einen Wassertank mit 120 Litern Volumen benötigst du also 40 Liter Frostschutz von Lilie Winter Ban und 80 Liter Wasser gemäß dem Mischungsverhältnis 1:2.

Nachdem der Wassertank vollständig gefüllt ist, muss sich der Frostschutz auch über alle Schläuche und Armaturen verteilen können. Dazu öffnest du alle Wasserhähne auf Mittelstellung, bis das Wasser gleichmäßig herausfließt.

Tipp: Frostschutz behält seine Wirkung lange Zeit bei. Im Frühjahr kannst du das Frostschutz/Wasser-Gemisch auffangen und für die nächste Wintersaison erneut verwenden.

Ein Frostschutzmittel kannst du nicht nur in den Wassertank füllen. Auch Spülwasser- sowie Fäkalientanks lassen sich mit dem Zusatz vor Frostschäden schützen.


Vorsicht bei Frostschutz in Truma-Heizungen

Truma rät von der Verwendung von Frostschutzmitteln in Truma Combi Heizungen ab. Laut des Herstellers für Heizungen und Wasseranlagen können die Frostschutzmittel die Wasserbehälter zum Rosten bringen. Auch weist Truma darauf hin, dass das magnetische Frostschutzventil (Frostcontrol) nicht manipuliert werden darf. Dieses Ventil dient zum Schutz der Wasseranlage und öffnet ab einer Außentemperatur von 3 Grad automatisch einen Ablass am Boiler. Solange das Wohnmobil oder der Wohnwagen beheizt ist, hält das Ventil dicht. Bei eingewinterten Campingfahrzeugen dagegen würde sich die Wasseranlage selbstständig entleeren. Stattdessen empfiehlt Truma, die Wasseranlage wie oben beschrieben vollständig zu entleeren.


Frostschutzmittel für die Wasseranlage im Überblick

© Dr. Keddo

Dr. Keddo Frostilan

Mischverhältnis bis -10 Grad: 1 Liter Frostilan auf 3 Liter Wasser.

Besonderheit: enthält kalklösende Apfelsäure

Gebinde: 5 Liter

UVP: 38,50 Euro

Hier findest du Dr. Keddo Frostilan im Berger Onlineshop.

© Lilie

Lilie Winter Ban

Mischverhältnis bis -18 Grad: 1 Liter Winter Ban auf 2 Liter Wasser

Besonderheit: auch für Leitungen aus Kupfer und Messing geeignet

Gebinde: 3,78 Liter

UVP: 24,99 Euro

Hier findest du Lilie Winter Ban im Berger Onlineshop.

© Rabbafrost

Rabbafrost

Mischverhältnis bis -12 Grad: 1 Liter Rabbafrost auf 2 Liter Frischwasser

Besonderheit: nicht geeignet für Edelstahl, Zink und Messing

Gebinde: 5 Liter

UVP: 14,99 Euro

Hier findest du Rabbafrost im Berger Onlineshop.

© Yachticon

Yachticon Aqua Frozt

Mischverhältnis bis -21 Grad: 1 Liter Aqua Frozt auf 2,5 Liter Frischwasser

Gebinde: 2 Liter

UVP: 24,99 Euro

Hier findest du Yachticon Aqua Frozt im Berger Onlineshop.


Vor- und Nachteile von Frostschutzmittel

Hoher Schutz vor Frostschäden

Mehrfach verwendbar

Frostschutzmittel kostet Geld


Fazit: Zwei Vorgehensweisen, ein Ziel

Trockenlegen oder mit Frostschutz auffüllen? Beide Methoden sind mit etwas Arbeit verbunden. Aber der Aufwand lohnt sich, damit Tank, Schläuche und Armaturen die Winterpause schadlos überstehen. Und in beiden Fällen gilt: reinige die Wasseranlage gründlich vor dem ersten Campingausflug im neuen Jahr. Aufgrund der Anschaffungskosten eignet sich ein Frostschutzmittel vorwiegend für Wasseranlagen mit kleineren Tanks oder Kanistern. Willst du die Wasseranlage trockenlegen, solltest du besonders gründlich arbeiten, damit in Siphons und Schlauchwindungen kein Restwasser zurückbleibt.