Heimreise durch das Baltikum und Polen

Es gab mehrere Gründe, warum wir lieber über das Baltikum heimreisen wollten: Zum einen ist die Fähre von Helsinki nach Deutschland relativ teuer und braucht 29 Stunden. Eine Heimreise über Schweden, wie wir sie ursprünglich geplant hatten, ist nicht viel kürzer als über die Via Baltica und beinhaltet gleich zwei Fährfahrten. Zudem sind wir einen Großteil der Strecke im letzten Jahr schon gefahren. Deshalb setzten wir spontan mit der Fähre von Helsinki nach Tallinn über und erreichten Estland nach etwa anderthalb Stunden Fährfahrt. Wir hatten nur eine gute Woche und wussten wenig über das Baltikum, aber wir waren sofort begeistern und werden eines Tages wiederkommen.

Die Fährüberfahrt von Helsinki nach Tallinn dauert gerade einmal 1,5 Stunden.
Die Fährüberfahrt von Helsinki nach Tallinn dauert gerade einmal 1,5 Stunden. © Fritz Berger

Mittelalterliches Flair in Estland

Wir erreichten Tallinn nach einer schnellen und recht günstigen Fährfahrt zur Nachmittagszeit. Nach Ankunft hatten wir große Lust einen Kaffee zu trinken. Wir parkten unser Wohnmobil an der Linnahall, einem Olympiastadion aus der Sowjetzeit, und machten uns direkt auf in Richtung Innenstadt. Wie es der Zufall so will, fand eine Straße weiter das Tallinn Coffee Festival statt. Jedes Jahr im September kommen verschiedene namhafte Kaffeehersteller zur Messe in die alte Fabrikhalle, die als Kulturzentrum dient und gegen eine kleine Eintrittsgebühr kann man Kaffee ohne Ende probieren. Auch die Kinder durften Milch und heiße Schokolade probieren, bekamen überall Sticker geschenkt und wir wurden herzlich im Baltikum willkommen geheißen.

Ausblick über das wunderschöne Tallinn.
Ausblick über das wunderschöne Tallinn. © Fritz Berger

Gestärkt und hellwach liefen wir weiter in Richtung Altstadt und waren schnell richtig begeistert. Die mittelalterliche Innenstadt versprüht mit ihren kopfsteingepflasterten Gassen und den gut erhaltenen bunten Häusern einen besonderen Charme. An verschiedenen Aussichtspunkten konnte man die Altstadt gut überblicken. Ein Viertel aller Esten sind russischer Herkunft und so ist die russische Kultur überall spürbar. In den Souvenirläden werden Matroschkas verkauft, die schöne russisch-orthodoxe Kathedrale Alexander-Newski thront über der Stadt und in vielen Restaurants wird russisches Essen verkauft. So ließen auch wir den Abend mit Pelmeni, eine Art Teigtaschen, Pfannkuchen, russischem Eintopf eingebacken in Brot und russischer Akkordeonmusik ausklingen.

Alexander-Newski Kathedrale
Alexander-Newski Kathedrale © Fritz Berger

Ein Großteil unserer Heimreise führte uns über die Via Baltica, eine Fernreisestraße, die von den drei baltischen Staaten über Polen bis hin nach Tschechien führt. Bevor wir uns allerdings auf den Weg machten, fuhren wir noch einen kurzen Umweg an die nördliche Küste Estlands, um uns den Jägala Wasserfall anzuschauen. Der Wasserfall ist der Größte Estlands und fällt in bis zu 50 Meter Breite über eine Abbruchkante in die Tiefe.

Im Frühjahr nach der Schneeschmelze braucht der Jägala Wasserfall die gesamte Breite von 50 Metern.
Im Frühjahr nach der Schneeschmelze braucht der Jägala Wasserfall die gesamte Breite von 50 Metern. © Fritz Berger

Wunderschöne Strände in Lettland

Die Via Baltica ist sehr gut ausgebaut, wir waren jedoch etwas irritiert, dass man auch auf Autobahnen links abbiegen oder wenden darf. Die Straßen abseits der Fernreisestraße sind eher dürftig. Wir kamen gut voran und erreichten schon nach einem Tag die lettische Grenze. Hier durften wir sogleich einen von Lettlands wunderschönen Stränden kennenlernen. Wir genossen den Sonnenuntergang, während die Kinder im feinen Sand spielen konnten.

Lettland hat unzählige schöne Sandstrände.
Lettland hat unzählige schöne Sandstrände. © Fritz Berger

Am nächsten Tag stürzten wir uns ins Straßengewirr von Riga. Nachdem wir endlich einen Parkplatz gefunden hatten, erkundeten wir die Hauptstadt Lettlands. Wir bummelten durch die Gassen, bestaunten das Schwarzhäupterhaus und landeten schließlich in einer riesigen Markthalle. Hier deckten wir uns mit allerlei günstigen Leckereien ein, bevor wir zurück an die Küste fuhren. Unser Ziel war Liepāja, die drittgrößte Stadt Lettlands.

Eines der beeindruckendsten Häuser Rigas ist das Schwarzhäupterhaus auf dem Marktplatz.
Eines der beeindruckendsten Häuser Rigas ist das Schwarzhäupterhaus auf dem Marktplatz. © Fritz Berger

Zugegeben: Liepāja mit seinen vielen renovierungsbedürftigen Plattenbauten gefiel uns zunächst überhaupt nicht. Doch eine Attraktion wollten wir uns nicht entgehen lassen. Um 1900 wurde am Strand eine Festung von den Russen erbaut. Vor dem 1. Weltkrieg wollten sie diese jedoch zerstören, damit die Deutschen sie nicht nutzen könnten. Allerdings war dies nicht so einfach wie gedacht, selbst nach mehreren Sprengungen waren noch mehrere Teile gut erhalten. Auch heute erkennt man eindeutig Festungsbruchstücke am Strand oder im Meer liegen, verwildert und verwittert. Wer Lost Places mag, ist hier richtig aufgehoben.

Old Fort bei Liepāja
Old Fort bei Liepāja © Fritz Berger

Übernachtet haben wir schließlich an einem der schönen Strände von Liepāja. Allgemein ist es nicht schwierig, in Lettland einen schönen Strand zu finden, immerhin erstreckt sich die Ostseeküste über 500 Kilometer.


Wüsten-Feeling in Litauen

Leider hatten wir keine Zeit, diese Strände weiter zu entdecken und so fuhren wir schon am nächsten Tag weiter nach Litauen. Auch hier konnten wir leider nicht für eine längere Zeit bleiben. Die Kurische Nehrung wollten wir uns allerdings nicht entgehen lassen. Die Kurische Nehrung ist eine Halbinsel, die zur Hälfte zu Kaliningrad (Russland) und zur Hälfte zu Litauen gehört. Bekannt ist sie vor allem für die riesigen Dünen, die zu den Höchsten Europas gehören. Ursprünglich war die Halbinsel komplett bewaldet, durch Rodung im 17. Jahrhundert entstanden jedoch Wanderdünen, die immer wieder ganze Ortschaften verschlangen. Erst durch eine erneute Bepflanzung konnte dies gestoppt werden.

Die Dünen der Kurischen Nehrung gehören zu den höchsten Europas.
Die Dünen der Kurischen Nehrung gehören zu den höchsten Europas. © Fritz Berger

Um von Litauen aus auf die Kurische Nehrung zu gelangen, muss man eine kurze Fähre nehmen. Diese fährt von Klaipėda aus und ist nicht ganz günstig. Auch für den Nationalpark muss eine weitere Gebühr errichtet werden. Wir erwanderten die kleinere Düne Nagliai. Barfuß stapften wir bei bestem Wetter durch den Sand und genossen schließlich den schönen Ausblick. Anschließend suchten wir uns hungrig im größten Ort der Nehrung ein Restaurant. Nida liegt direkt an der Grenze zu Kaliningrad, ein Grenzübertritt ist allerdings nicht ohne weiteres möglich. Wir fuhren also die Strecke wieder zurück zur Fähre und übernachteten an einem Strand von Klaipėda.


Heimreise durch Polen

Auch Litauen mussten wir viel zu schnell wieder verlassen. Aber nach diesen außergewöhnlichen Eindrücken stand für uns schon jetzt fest, dass wir eines Tages wieder zurück ins Baltikum kehren werden – mit deutlich mehr Zeit im Gepäck. Wir mussten langsam mehr Strecke machen und größere Strecken fahren und so fuhren wir schon am nächsten Abend über die Grenze nach Polen.

Das Wigry Kloster liegt eingebettet im wunderschönen Wigry Nationalpark.
Das Wigry Kloster liegt eingebettet im wunderschönen Wigry Nationalpark. © Fritz Berger

Bei bestem Wetter fanden wir einen schönen kleinen Campingplatz im Wigry Nationalpark. Direkt an einem kleinen See konnten wir von unserem Platz aus auf das Kloster Wigry blicken, in dem einst sogar Papst Johannes Paul II nächtigte. Morgens um 7 Uhr beginnt hier der Tag mit Trompetenmusik und wird abends um 21 Uhr ebenso beendet.

Marktplatz von Bunzlau
Marktplatz von Bunzlau © Fritz Berger

Bevor wir nach Deutschland zurückkehrten, hielten wir in Bunzlau. Das Städtchen selbst ist sehr sehenswert, denn der große Marktplatz ist von schönen bunten Häusern umrahmt und es gibt einige gute Restaurants.

Bunzlauer Keramik
Bunzlauer Keramik © Fritz Berger

Der Ort ist bekannt für die traditionell in Handarbeit gefertigte Keramik. Verschiedene Hersteller bieten die schönen Teller und Kunsthandwerke an, teilweise auch in günstigen Outlets.

Der Abstecher zur Bastei im Elbsandsteingebirge auf der Heimreise lohnte sich.
Der Abstecher zur Bastei im Elbsandsteingebirge auf der Heimreise lohnte sich. © Fritz Berger

Unser letzter Halt auf unserer unglaublichen Reise galt einer bekannten deutschen Sehenswürdigkeit. Wir hielten an der Bastei im Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz. Unsere Tochter hatte eine Reportage darüber gesehen und wollte unbedingt dort hin. Obwohl ganz schön viel los war, freuten wir uns an der kurzen Runde, bevor wir den Rest der Heimreise antraten.


In 9000 Kilometern um die Ostsee

Insgesamt sind wir in den knapp fünf Wochen etwa 9000 Kilometer gefahren und haben einmal die gesamte Ostsee umrundet. Auch dieses Jahr konnte Skandinavien uns begeistern. Wir lieben die unberührte Natur und die Einsamkeit des hohen Nordens.

So fühlen wir uns wohl!
So fühlen wir uns wohl! © Fritz Berger

Gerade in Finnland folgte ein Höhepunkt nach dem anderen und wir wünschten uns, dass diese Reise niemals endet. Unser Jüngster redet heute noch vom Weihnachtsmann und ich bekomme weiterhin Gänsehaut, wenn ich an die Nordlichter denke. Aber auch das Baltikum hat uns überrascht. Es ist viel zu interessant, um in nur wenigen Tagen durchzureisen und wir werden definitiv mit mehr Zeit zurückkommen.