Welche Unterstützung kann ich von einem Automobilclub erwarten?

Die wohl bekanntesten Aufgaben der Automobilclubs sind der Abschlepp- und Pannendienst. Darüber hinaus bieten die sechs deutschen Automobilclubs auch weitere Leistungen wie Krankenrücktransport, Hilfe bei verlorenen Fahrzeugschlüsseln, Ersatz von Reisedokumenten und auch juristische Beratung in Streitfällen. Hinzu kommen auch touristische Beratungsangebote, wie Unterstützung bei der Routenplanung und Auskünfte zu länderspezifischen Besonderheiten.

In den letzten Jahren haben sich Automobilclubs immer mehr zu umfassenden Mobilitätsdienstleistern entwickelt. Der ADAC bietet sogar einen Tarif für junge Leute ohne eigenes Auto an. Die Leistungen richten sich in diesem Fall mehr an die versicherte Person selbst (Krankenrücktransport, Übernachtungskosten, Dolmetscher-Service etc.).


Kann ich Leistungen des Automobilclubs auch ohne Mitgliedschaft in Anspruch nehmen?

Bevor du eine Mitgliedschaft bei einem Automobilclub abschließt, solltest du prüfen, ob bestimmte Leistungen bereits durch deine Kfz-Versicherung abgedeckt sind. Hast du über die Versicherung einen Schutzbrief abgeschlossen, sind Pannenhilfe, Krankenrücktransport sowie gewisse Ersatzleistungen bei Diebstahl bereits abgesichert.

Im Fall einer Panne schleppt dann beispielsweise der ADAC-Pannendienst dein Wohnmobil oder Gespann ab, auch wenn du kein Clubmitglied bist. Die entstandenen Kosten rechnet die Versicherung direkt mit dem Automobilclub ab.


Welche Tarifdetails sollte ich als Camper genau prüfen?

Im Vergleich zum Alltags-Autofahrer haben Camper andere Erwartungen an den Automobilclub. Die Fahrzeuge sind schwerer, die Reiseentfernungen größer.

Alle Automobilclubs staffeln ihre Mitgliedschaften nach verschiedenen Preisklassen mit unterschiedlich großem Leistungsumfang. Beispielsweise beim ADAC haben die einzelnen Leistungspakete Namenszusätze wie Premium oder Plus. Camper sollten sich immer auch die Leistungen hochpreisiger Mitgliedschaften ansehen, denn als Basismitglied kann man bestimmte Services nur innerhalb Deutschlands in Anspruch nehmen.

Wohnmobile und Wohnwagen lassen sich oft nicht mit der gleichen Abschlepptechnik bewegen, wie ein Pkw. Aufgrund der Maße und des höheren Gewichts der Campingfahrzeuge, müssen Pannendienste spezielle Abschleppwagen einsetzen.

Der Autoclub von Deutschland (AvD) sowie Mobil in Deutschland bieten ihren Pannendienst für Fahrzeuge bis zu 4.000 Kilogramm Gesamtmasse an. ADAC, Auto Club Europa (ACE) und der Automobil-Club Verkehr (ACV) bieten ihre Leistungen auch für große Wohnmobile bis maximal 7.500 Kilogramm an. Beim ACV ist dafür der Abschluss des speziellen Tarifs „Wohnmobil-Plus“ (129 Euro pro Jahr) nötig. Wohnmobile bis 4 Tonnen sowie Wohnwagen sind dagegen im Standardtarif ab 59 Euro mitversichert.

Maximalhöhe für Campingfahrzeuge

Viele Autoclubs legen Maximalhöhen für die Pkws und Wohnmobile iher Mitglieder fest. In der Regel sind bei allen Automobilclubs Wohnmobile bis zu einer tatsächlichen Gesamthöhe von maximal 3,2 Metern zulässig (Außnahme AvD: dieser nennt keine Beschränkungen der Maße). Wichtig ist, dass das Fahrzeug auch laut Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil 1) als Wohnmobil zugelassen ist. 


Bei diesen Leistungsdetails lohnt sich ein Blick ins Kleingedruckte:

Den Mitgliedsantrag inklusive Zusatzvereinbarungen solltest du genau lesen.
Den Mitgliedsantrag inklusive Zusatzvereinbarungen solltest du genau lesen. © Wellnhofer Designs - stock.adobe.com

Häufig steckt der Teufel im Detail. Insbesondere als Camper solltest du die Vertragsbedingungen genau prüfen.

Wohnwagen: Wer mit dem Caravan verreist, sollte das Kleingedruckte genau prüfen. Die Automobilclubs ACE, ACV, ARCD, AvD und mobil kümmern sich bereits bei der Basismitgliedschaft um den Wohnwagen, beim ADAC sind Anhänger erst ab einer Plus-Mitgliedschaft (ab 94 Euro/Jahr) mitversichert. Im Schadensfall kann die Hilfe so aussehen, dass der Autoclub einen Mietwagen mit Anhängekupplung zur Verfügung stellt oder anderweitig für den Rücktransport des Caravans aufkommt. Kleinere Schäden werden auch am Anhänger, wenn möglich, vor Ort repariert.

Fahrzeugrückholung: Fällt das Fahrzeug vollständig aus, übernehmen einige Automobilclubs die Rückholung erst, wenn das Fahrzeug mindestens 50 Kilometer (Luftlinie) vom Wohnort entfernt liegengeblieben ist. Einzig Mobil in Deutschland nennt keine Mindestentfernung für diese Leistung.

Mietwagen: Ist die Weiterfahrt mit dem eigenen Camper nicht mehr möglich, kann der Automobilclub einen Mietwagen als Ersatzfahrzeug organisieren. Hierbei gelten unterschiedliche Konditionen sowohl bei Kosten als auch Mietdauer. Innerhalb Deutschland stellen die Automobilclubs einen Mietwagen für maximal sieben Tage zur Verfügung. ADAC, ACE und ACV übernehmen dabei pro Tag bis zu 52 Euro. AVD und Mobil zeigen sich mit einer Obergrenze von 60 Euro noch etwas großzügiger. Im Ausland gelten für die Mietwagennutzung andere Regeln: der ADAC übernimmt die Kosten bis zu 500 Euro, setzt aber die direkte Heimreise mit dem Mietfahrzeug voraus. Bei AVD und Mobil gibt es keine zeitliche Begrenzung für die Nutzung eines Mietwagens, die maximalen Kosten dürfen 420 Euro nicht überschreiten. Auch der ACV nennt keine zeitliche Begrenzung, Kosten werden bis maximal 360 Euro übernommen.


Campingkarten für Automobilclub-Mitglieder

Ein weiteres Argument für den Automobilclub: bei bestimmten Clubs erhältst du eine Campingkarte zum Vorteilspreis. Campingkarten bieten Rabatte, beispielsweise bei der Übernachtung auf kooperierenden Campingplätzen. Welche Campingkarten es gibt und was diese genau bieten, erklären wir dir ausführlich in diesem Beitrag.

Die Automobilclubs ACE und AvD bieten ihren Mitgliedern die Rabattkarte des Deutschen Campingclubs (CCI Card) an. Beim ACE kostet die ein Kalenderjahr gültige Karte zusätzlich zum Mitgliedsbeitrag 14 Euro. Auch können Camper beim ACE ein Abo für jährlich 10 Euro abschließen – die CCI Card wird dir dann jedes Jahr automatisch zugeschickt, bis du das Abo kündigst. Beim Automobilclub ARCD kostet die CCI Card 8 Euro.

Noch günstiger erhältst du die CCI Card beim AvD. Der Club berechnet für die Campingkarte 5 Euro pro Jahr (zzgl. Versand- und Bearbeitungskosten). Auch Nichtmitglieder können die Campingkarte über den AvD bestellen. In diesem Fall kostet die Karte 8 Euro (zzgl. Versand- und Bearbeitungskosten).

Auch die Campingkarte Camping Key Europe gewährt Rabatte auf zahlreichen Campingplätzen in ganz Europa. Diese Campingkarte erhalten ADAC-Mitglieder für 12 Euro/Jahr (ohne ADAC-Mitgliedschaft kostet sie 18 Euro).

Alle erhälltichen Campingkarten stellen wir dir hier im Detail vor.


Automobilclubs in Deutschland im Überblick

Mit Stand vom 15.12.2020

 ACEACVADACARCDAvDMobil
Webseitewww.ace.dewww.acv.dewww.adac.dewww.arcd.dewww.avd.dewww.mobil.org
Mitglieder63000043000021 Millionen1450001,4 Millionen>10000
Regulärer Beitrag/Jahr68,80 Euro59 Euroab 54 Euro81,90 EuroAb 34,90 EuroAb 28 Euro
Zusatzbeitrag PartnerFamilie im Basistarif inklusiveFamilientarif 69 Euro25 Euro; Kinder unter 18 ohne Aufpreis30,90 Euro15 Euro (im Basistarif); oder insgesamt 84,90 Euro im Plus-TarifFamilie nur im Tarif Premium Partner+ für 78 Euro
Sondertarif „junge Leute“34,40 Euro (18 bis 30 Jahre)49 Euro (17 bis 23 Jahre)0 Euro (unter 18 Jahre)30,90 Euro (bis zum 27. Lebensjahr)Ab 19,90 Euro (18 bis 27 Jahre)18 Euro (Schüler, Studenten und Auszubildende)

 


Fazit: Mehr als schnelle Hilfe

Die Zeiten, als Autoclubs vor allem mit dem Pannendienst warben, sind Geschichte. Wer sich heute für eine Mitgliedschaft bei ADAC, AvD und Co. entscheidet, hat verschiedenste Beweggründe. Denn Automobilclubs sind wahre Full-Service-Dienstleister, die sich nicht nur im Schadensfall um Fahrzeug und Insassen kümmern. 

Dennoch: die Entscheidung für oder gegen einen Automobilclub kann ich dir nicht abnehmen. Dieser Beitrag soll dir jedoch helfen, diese Wahl selbst zu treffen. Prüfe auch immer bei deinen bestehenden Versicherungen, ob diese bereits einige der von den Automobilclubs beworbenen Leistungen übernehmen.